Zum Rücktritt von Mesut Özil aus der deutschen Fußball-Nationalmannschaft

Ich finde es beachtlich, dass sich Mesut Özil acht Wochen nach seinem Fotoauftritt mit dem türkischen Präsidenten Erdogan zu diesem Vorfall äußert. Es ist wichtig, dass er seine Sicht darstellt. Mir wäre es allerdings lieber gewesen, gleich eine Äußerung von ihm zu hören.

Die Erklärung von Mesut Özil ist geprägt von Uneinsichtigkeit. Jeder Spieler der Nationalmannschaft steht im Fokus der Öffentlichkeit und ist Botschafter unseres Landes. Die meisten Spieler sind darauf übrigens sehr stolz. Deshalb ist auch ein Treffen mit einem anderen Staatschef immer politisch. Besonders natürlich mit Präsident Erdogan, der in der Türkei die Demokratie aushöhlt und Freiheitsrechte massiv einschränkt. Davon kann sich Mesut Özil nicht los sagen. Für Özil mag das Treffen nicht politisch gewesen sein – für Präsident Erdogan aber schon. Nicht umsonst wurden die Fotos nicht von der türkischen Regierung, sondern von Erdogans Partei, der AKP, verbreitet. Özil hat sich mit dem Präsidentschaftskandidaten Erdogan getroffen und war so, vielleicht ungewollt, ein Wahlkampfauftritt.

Mesut Özil erklärt sich, in dem er andere kritisiert und beschuldigt. Er hat seine Fehler nie verstanden. Vielleicht hätte er nicht gleich Rassismus rufen sollen, sondern zunächst überlegen, warum viele Fußballfans mit seinem Verhalten nicht einverstanden sind.

Dieser Vorfall kennt nun vor allem Verlierer. Mesut Özil selbst, den DFB, der sicher auch viel aufzuarbeiten hat, und vor allem viele enttäuschte Fußballfans. Eine kurze Entschuldigung nach dem Foto hätte uns das alles erspart.

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