Newsletter Berlin - 51 KW | 2020


2020 war eine Zäsur. Noch zu Jahresbeginn hätte wohl niemand auch nur ansatzweise vermutet, dass sich ein weltweit ausbreitendes Virus so einschneidend auf unser gesamtes gesellschaftliches Leben auswirken würde. Tatsächlich steht Deutschland heute aber inmitten seiner größten Krise seit dem Zweiten Weltkrieg. Ich wage daher die Behauptung, dass die subjektive Zeitrechnung heutiger Generationen in eine Zeit „vor Corona“ und eine Zeit „nach Corona“ zerfallen wird.

 

Die Pandemie ist allgegenwärtig und allumfassend: Krankenhäuser kommen an den Rand ihrer Kapazitäten, Grundrechte werden vorübergehend eingeschränkt, Geschäfte bleiben wochenlang geschlossen, Beschäftigte bangen um ihren Arbeitsplatz, Eltern müssen ihre Kinder rund um die Uhr selbst betreuen, Kinder und Jugendliche geraten mangels ordentlichen Unterrichts in Bildungsrückstand, ältere Mitmenschen fühlen sich einsam und isoliert. Ja, ich möchte nichts beschönigen: Gerade jetzt in der Adventszeit sind die Probleme in unserem Land gewaltig – von Vorfreude auf das Weihnachtsfest ist nirgendwo etwas zu spüren.

 

Und doch glimmen in dieser düsteren Lage auch Hoffnungsschimmer auf: Die bisherige Infektions- und Sterberate in Deutschland ist vergleichsweise niedrig, die Wirtschaftszahlen sind nicht so dramatisch eingebrochen wie befürchtet, Schulen und Hochschulen verbessern ihre digitalen Lehrangebote stetig, Hochbetagte in Heimen können dank ausgefeilter Schutzvorkehrungen weiter Besuch empfangen, ab dem 27. Dezember werden die ersten Corona-Impfungen verabreicht.

 

Positiv ist auch, dass die Politik außergewöhnlich viel unternommen hat, um die gesundheitsbezogenen, wirtschaftlichen und sozialen Krisenfolgen zu mildern. Allen politisch Handelnden, auch mir, ist dabei bewusst, dass wir keine „perfekten“ Entscheidungen treffen können. Dafür ist die Herausforderung zu neu und dafür sind die Interessenabwägungen zu vielschichtig. Aber 156 Milliarden Euro an Corona-Hilfen im März halfen Unternehmen und Privathaushalten, ihre Liquidität zu sichern. Die im gleichen Zeitfenster eingeführte Kurzarbeit stabilisierte derweil viele Millionen Arbeitsplätze. Mit dem 130 Milliarden schweren „Aufbruchspaket“ aus dem Juni setzte der Bund dann einen kräftigen Akzent, um Wirtschaftswachstum anzureizen. Denn nur mit Wachstum werden wir die aktuelle Wirtschaftskrise überwinden. Das sagen uns auch alle Expertinnen und Experten.

 

Mit der November- und Dezemberhilfe, einem weiteren Überbrückungshilfen-Programm für Soloselbstständige und mittelständische Unternehmen sowie einigen Steuererleichterungen hat der Bundestag erst jüngst weitere Schritte eingeleitet. So begradigen wir die wirtschaftliche Schieflage, in die wir geraten sind, Stück für Stück. Unterdessen vernachlässigen wir jedoch auch die sozialen Aspekte keineswegs. Dafür stehen beispielhaft neue Steuervorteile für Alleinerziehende, gesteigerte gesetzliche Familienleistungen (Elterngeld, Unterhaltsvorschuss, Kinderzuschlag) oder die vom Bundeshaushalt 2021 vorgesehenen Rekordausgaben im Bildungsbereich.

 

Ich könnte die Liste mit Maßnahmen, die wir in Berlin beschlossen haben, seitenfüllend fortschreiben, ganz zu schweigen von den zusätzlichen Maßnahmen, die auf der Länderebene veranlasst worden sind. Das Wesentliche soll jedoch nicht aus dem Blick geraten: Die Politik bemüht sich wirklich nach Kräften, um Deutschland gut durch diese epochale Krise zu bringen. Darauf können Sie sich auch weiterhin verlassen.

 

Was mir jedoch am meisten Zuversicht verleiht, sind Sie alle als Mitbürgerinnen und Mitbürger. Denn der permanente Krisenmodus kann erschöpfend wirken – und dennoch verhalten wir uns in übergroßer Mehrheit auch nach vielen entbehrungsreichen Monaten diszipliniert und vernünftig. Das ist nicht selbstverständlich, 

und deshalb möchte ich Ihnen umso herzlicher danken! Gemeinsam werden wir diese historische Herausforderung bewältigen. Bitte bleiben wir geduldig, denn Corona zu überwinden verlangt uns keinen Sprint, sondern einen Marathonlauf ab. Dazu brauchen wir einen langen Atem – aber am Ende kommen wir eben auch ins Ziel.

 

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen und Ihrer Familie ein frohes und gesegnetes Weihnachtsfest, trotz oder gerade wegen aller Widrigkeiten! Besinnen wir uns in schwieriger Zeit vor allem darauf, was wir (immer noch) haben – und grämen wir uns weniger über das, was uns (vorübergehend) fehlt.

 

Kommen Sie gut ins neue Jahr und bleiben Sie gesund!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

  

 

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